HNA: Spieltaktischer Umbruch hakt bei der ESG noch

Eine Analyse des Fehlstarts


Nein, es läuft noch nicht rund bei der ESG Gensungen/Felsberg. Vielmehr so unrund, dass die Edertaler Handballer einen klassischen Fehlstart in der Oberliga hinlegten und nach vier Spieltagen noch auf den ersten Sieg warten.

Da ist die Ernüchterung groß, sind die Träume im Umfeld des ehemaligen Zweitligisten, in dieser Saison vielleicht oben mitspielen zu können, wohl schon geplatzt. Genährt wurden sie durch eine scheinbar positive Wechselbilanz, die sich bisher eher als Hypothek entpuppte. Denn mit Jan-Hendrik Walther und Hannes Bauer verlor die ESG ihre Flügelzange, die das Gensunger Spiel über Jahre prägte. Und: Der Rechts- und der Linksaußen sind weder als „Paket“ noch als Individualisten nur annähernd adäquat ersetzt worden.

Stattdessen dessen wurde der Rückraum gestärkt. Durch Jannis Kothe und Heinrich Wachs, von denen bisher allerdings nur der Youngster aus Twistetal in der Oberliga angekommen ist. Die Rekonvaleszenten Cornelius Feuring und Tim Schneider stehen ebenfalls für geballten Druck aus der zweiten Reihe, den sie aber bisher noch nicht entfalten konnten. Damit hakt der notwendige Systemwechsel und, wie die 27:29-Heimniederlage gegen Offenbach-Bürgel offenbarte, insbesondere das Zusammenspiel im Positionsangriff.

Problem Positionsangriff

Es fehlt am Timing für die Auftakthandlungen, die Automatismen greifen nicht und der Mut, mit Wucht in die Nahtstellen der gegnerischen Deckung zu stoßen, nimmt mit jeder misslungenen Abschlussaktion ab. Um ihr Spiel notwendigerweise breiter anzulegen, bräuchte es torgefährlicher Außen. Und die hat die ESG, besonders auf der linken Seite, derzeit nicht. Jan-Hendrik Walther und Hannes Bauer fehlen darüber hinaus im Gegenstoß an allen Ecken und Enden. Und damit die Abnehmer für die „Harpunen“ von Torwart Marc Lauterbach, in der letzten Saison noch ein Garant für leichte (und spektakuläre) Tore.

Der spieltaktische Umbruch der Gensunger steht trotz gelungener Vorbereitung somit noch am Anfang. Und wird durch die Formkrise einiger Leistungsträger wie Franco Rossel erschwert. Ungeklärt auch die Hierarchie auf der Mittelposition, wo bisher weder Benedikt Hütt noch Vince Schmidt die Zügel des Spiels ihrer Mannschaft fest genug in der Hand hatten.

Reichlich Baustellen, die die allgemeine Ratlosigkeit nach der ersten Heimniederlage erklären, aber auch konkrete Anknüpfungspunkte zur Weiterentwicklung des verunsicherten Teams bieten. Dazu braucht Trainer Arnd Kauffeld Zeit. Und die Fans im Edertal Geduld. Dass ihr Team nun nicht mehr zu den Aufstiegsfavoriten zählt, muss dabei kein Nachteil sein. Könnte eher zu einer konzentrierten Lockerheit beitragen, die den Spielern in der aktuellen Situation natürlich abgeht. 

von Ralf Ohm (HNA)

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